Active Directory und DNS
Erstellt am 18. März 2000 von Rainer
Gerhards.
Microsoft's Active Directory ist in hohem Maße mit DNS verbunden. DNS wird
grundsätzlich genutzt, um wichtige Ressourcen, z. B. Domänen-Controller,
aufzufinden. Da diese wiederum zur Anmeldung von Benutzern notwendig sind, geht
ohne DNS eigentlich nichts mehr.
Problematisch ist, dass Microsoft leider ganz besondere Anforderungen an den
DNS-Server stellt. Realistisch betrachtet funktioniert es einfach eigentlich nur
mit dem Microsoft DNS Server - und zwar dem mit Windows 2000 mitgelieferten. Im
Folgenden möchten wir versuchen, die wesentlichen "Knackpunkte"
zu erläutern und zu umschiffen.
Wofür benötigt Windows 2000 DNS?
Microsoft hat sich dazu entschieden, Active Directory auf Internet-Standards
aufzubauen. DNS ist *der* Internet-Standard zum Auffinden von Ressourcen, bisher
jedoch vornehmlich IP-Adressen. So wird z. B. die IP-Adresse von www.win2k-reporter.de
mit Hilfe einer DNS-Anfrage ermittelt. Der Browser kann sich dann anschließend
mit dem entsprechenden Server verbinden.
Unter Windows 2000 werden aber nicht nur Rechner-IP-Adressen ermittelt.
Vielmehr wurde das DNS um sogenannte "Service-Einträge" (SRV-Records)
erweitert. Auch dies ist ein offener Standard, der nicht nur von Microsoft
unterstützt wird. Allerdings unterstützen nicht alle DNS-Server diesen neuen
Standard. Wer BIND einsetzt (ein unter UNIX üblicher DNS-Server), sollte
mindestens Version 8.1.2 verwenden. Sonst gibt es Probleme.
Mit Hilfe der Service-Records können für Active Directory wichtige
Dienste ermittelt werden. Zu nennen wäre da beispielsweise der Domänen
Controller (ist für die Anmeldung notwendig) oder der sogenannte "Global
Catalog Server" (sowohl für die Anmeldung als auch zum Suchen im Active
Directory). Erst wenn Windows 2000 diese Dienste auffinden kann, kann Active
Directory korrekt arbeiten. Daher ist deren korrekter Eintrag in DNS ganz
wichtig.
Was ist DDNS?
Bleibt die Frage, wie denn die Einträge ins DNS hineingelangen. Die bisher
typische Antwort war: der Administrator trägt sie manuell ein. Das geht auch
unter Active Directory - ist aber wohl eher eine theoretische Möglichkeit. Denn
die Einträge sind recht kryptisch und zahlreich. Außerdem können Sie sich bei
Rekonfiguration des Active Directory relativ rasch ändern. Ganz zu schweigen
von den Clients, die natürlich auch im DNS eingetragen werden (das ist aber
nicht zwingend erforderlich).
Microsoft hat sich hier eine Lösung ausgedacht: DDNS, das "Dynamic
DNS". Dynamisch bedeutet in diesem Zusammenhang, das sich die Systeme
automatisch mit Ihre Diensten registrieren. Ein neu installierter Server teilt
dem DDNS beispielsweise mit, das es ihn jetzt gibt, wie seine IP-Adresse lautet
und welche Services auf ihm abgerufen werden können (z. B.
Domänen-Controller). Manuelle Einträge durch den Administrator sind
nicht mehr notwendig.
Eine feine Sache also - eigentlich. Es gibt aber einen entscheidenden
Wermutstropfen: momentan unterstützt nur der mit Windows 2000 mitgelieferte
DNS-Server DDNS. Es gibt kein anderes System (weder Linux, noch NetWare oder
andere Unix-Derivate) die zum Stand der Erstellung dieses Artikel DDNS
beherrschten. Zu DDNS gibt es übrigens einen Internet-Standard (RFC) - von
Microsoft eingebracht...
Diese fehlende Kompatibilität ist allerdings kein Grund, direkt die
"Flinte ins Korn zu werfen". Zum einen kann man mit DDNS sehr gut
leben - es ist tatsächlich eine Arbeitserleichterung. Zum anderen kann man
Windows 2000 (D)DNS Server durchaus in bestehende DNS-Umgebungen integrieren. Es
muss nur darauf geachtet werden, dass die Windows 2000 Systeme untereinander
möglichst nur DDNS Server verwenden. Und, wie gesagt, für ganz Abgehärtete
gibt es theoretisch noch die Möglichkeit, die DNS Einträge von Hand
einzutragen und auf DDNS ganz zu verzichten. Davon ist aber dringendst
abzuraten. Aufgrund des existierenden Standards ist außerdem davon auszugehen,
dass auch andere Hersteller zukünftig DDNS Server anbieten werden. Dadurch
entspannt sich die Lage weiter.
Was bedeutet das für die Praxis?
Die Abhängigkeit von DDNS hat natürlich klare Folgen. Ein Windows 2000
Server ohne Active Directory kann problemlos einen beliebigen DNS-Server
verwenden, z. B. den des Internet-Providers. Wird auf dem selben Server nun aber
Active Directory installiert (dcpromo aufgerufen), so sollte der DNS-Eintrag auf
einen DDNS-Server verweisen.
Häufig bleibt in einem solchen Fall aber der bisherige DNS-Server
eingestellt. Das passiert z. B. leicht, wenn ein NT 4 Server auf Windows 2000
aufgerüstet wird. Da der bisherige - herkömmliche - DNS-Server aber kein DDNS
unterstützt, kann sich der Domänen-Controller auch nicht korrekt im DDNS
registrieren. Diesen Fehler meldet er dann übrigens auch im Ereignis-Protokoll.
Leider ist die Meldung für viele Benutzer unverständlich. Damit beginnt dann
meist der Ärger: durch die fehlenden Informationen im DNS arbeitet Active
Directory nicht korrekt. Die meisten Funktionen schlagen fehl, das
Ereignisprotokoll füllt sich rasch mit einer Reihe weiterer Fehlermeldungen.
Soll dann noch ein weiter Domänen-Controller installiert werden, gelingt dies
nicht. Die Fehlermeldung deutet dann darauf hin dass die Domäne nicht existiert
- obwohl man sie im Dialog zuvor noch gesehen hat....
Solche und ähnlich kuriose Meldungen sind ein klarer Hinweis darauf, dass
die DNS-Einträge nicht korrekt sind. Wie gesagt, meist ist der Grund das
fehlende DDNS. Wichtigste Regel daher bei Installation eines Active Directory:
Noch bevor Active Directory installiert wird, sollte zunächst ein DDNS
Server installiert werden. Dies geht am einfachsten, indem man auf dem
ersten Windows 2000 Server gleich nach der Grundinstallation den DNS-Dienst
installiert. Nachdem der DNS-Dienst installiert und gestartet ist, muss die
gewünschte Domäne im Server aktiviert, d. h. eingetragen werden. Das geht mit
dem DNS-Manager.
Anschließend muß in den IP-Einstellungen der Netzwerkkarte auch auf
den neuen DNS-Server verwiesen werden. Der folgende Screenshot (leider nur in
Englisch) zeigt das beispielhaft:

Die IP-Adresse des Servers wird gleichzeitig als Adresse des DNS Servers
eingesetzt. Übrigens ist zu beachten, dass in den Dialogen immer nur von
"DNS" die Rede ist. Eigentlich ist aber DDNS gemeint.
Bei Installation von weiteren Rechner unbedingt daran denken: dieser
DNS-Server muss dann auch von allen anderen Windows 2000 Server und
Workstations (Windows 2000 Professionell) verwendet werden. Denn sonst sehen die
sich gegenseitig nicht.
Nachdem der DNS-Dienst nun installiert wurde und auch verwendet wird, steht
der erfolgreichen Installation von Active Directory nichts mehr im Wege.
Übrigens ist es für alle hier beschriebenen Arbeitsschritte nicht notwendig,
Windows 2000 neu zu starten. Man sollte also nicht überrascht sein.
Es gibt übrigens auch eine Möglichkeit, die hier beschriebenen Tätigkeiten
weitgehend automatisch ausführen zu lassen. Zumindest der Update-Wizard (bei
Update z. B. von NT 4) bietet an, einen DNS-Server samt entsprechender Zone
einzurichten. Gestattet man Ihm das, so braucht man sich um die Einstellungen
auch der Netzwerkkarte nicht zu kümmern. Das macht er automatisch.
Erfolgskontrolle schadet aber nicht - vor allen Dingen, wenn sich das System
nachher unerwartet verhält.
Active Directory will geplant werden!
Zum Schluß noch eine wichtige Anmerkung: ich habe diesen Artikel verfasst,
nachdem mir die große Anzahl von Fragen zu diesem Thema aufgefallen ist. Active
Directory ist sehr leistungsfähig - aber auch sehr komplex. Wer Active
Directory auf dem heimischen PC "mal ausprobieren" möchte, kann es
sicherlich einmal mit dem "Try and Error" Ansatz versuchen. Und wird
dabei wahrscheinlich den einen oder anderen Frust erleben....
Soll Active Directory aber in einer Unternehmung - egal wie klein oder groß
- eingesetzt werden, kann ich nur dringend dazu raten, es "sauber"
durchzuplanen. Denn sonst kann es leider sehr schnell böse daneben gehen!
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